Bericht Tagesstätte

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

Zugegeben, man könnte sich schönere Destinationen vorstellen. Früher, als man noch jung war, ging man auf Reisen, hat mit der Familie Wanderungen unternommen, die Tage gemeinsam mit dem Partner oder der Familie verbracht. Nun ist vieles anders: Das Alter mit seinen Folgen, körperliche und/oder geistige Gebrechen erschweren den Alltag, für die Betroffenen selber, aber auch für die Angehörigen.

Die Gäste werden vom Fahrdienst zu Hause abgeholt oder sie werden von den Angehörigen gebracht. Die Verabschiedung vom Partner oder Partnerin ist nicht ganz einfach. Das Gefühl, abgeschoben zu werden, auf der einen Seite, das Gefühl abzuschieben auf der anderen, kann weh tun und Schuldgefühle wecken. Bis jetzt hat man doch immer alles zusammen gemacht! Der Wunsch, so lange wie möglich zu Hause «in den eigenen vier Wänden» zu leben, erfordert Mut und Bereitschaft zu gegenseitigen Kompromissen. 

Pflegende Angehörige müssen regelmässig, mit freien Stunden, Energie tanken können. Andernfalls bricht das System zusammen – die pflegenden Angehörigen werden selber krank und schaffen es nicht mehr, den Anforderungen gerecht zu werden. Die Offenheit und der Mut der Betroffenen, mit dem Besuch der Tagesstätte ihren Angehörigen die benötigten Freiräume und Freizeiten zu ermöglichen hilft mit, den Wunsch, so lange wie möglich zu Hause zu leben, zu erfüllen.

Der Tag in der Tagestätte beginnt mit einem Kaffee und einem ersten Schwatz. Welche Beschäftigung wird in der Folge ausgewählt: Ein Spaziergang? Zeitung lesen in der gemütlichen Wohnstube? Beim Kochen mithelfen? Bei der Bewegungsrunde aktiv mitmachen oder nur zuschauen? Plaudern? Von früher erzählen? Jeder kann machen, worauf er Lust hat.

Während dem Aufenthalt in der Tagesstätte hat man auch die Möglichkeit, einen Besuch bei der Podologin, im Wundambulatorium, beim Hausarzt oder bei der Physiotherapie zu realisieren. Dies ermöglicht eine Reduktion von Terminen und entlastet somit Angehörige.

Die Tagesstätte ist modern und barrierefrei eingerichtet. Sie verfügt über eine grosse Wohnküche, einen gemütlichen Wohnraum und einen zweckmässig eingerichteten Ruheraum für das «Mittagsschläfli». Am Nachmittag wird ab und zu musiziert: Elisabeth Küenzi spielt auf dem Klavier bekannte Lieder – Erinnerungen werden wach – an die gute alte Zeit. Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

Haben Sie den Mut die Segel anders zu setzen, wenn sich der Wind gedreht hat.

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